
Nachhaltigkeit in der Lieferkette
Ausgehend vom Pariser Klimaabkommen von 2015 und dem darin verankerten 1,5‑Grad‑Ziel steht die Automobilindustrie vor einer tiefgreifenden Transformation ihrer Geschäftsmodelle. Ergänzt wird dieser Wandel durch eine Vielzahl nationaler und europäischer Nachhaltigkeits- und Sorgfaltspflichten, darunter das deutsche Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG), die EU‑Verordnung zur entwaldungsfreien Lieferkette (EUDR) sowie das europäische CO₂‑Grenzausgleichssystem (CBAM). Diese Regelwerke rücken die vor- und nachgelagerten Wertschöpfungsstufen zunehmend in den Fokus, da ein wesentlicher Anteil der ökologischen, sozialen und Governance‑bezogenen Auswirkungen vieler Unternehmen im sogenannten Scope‑3‑Bereich der Lieferkette entsteht.
Die Anforderungen an Transparenz, Nachverfolgbarkeit und Nachweisführung nehmen somit deutlich zu. Verstöße gegen gesetzliche Vorgaben können empfindliche Sanktionen nach sich ziehen, während Scope‑3‑Emissionen zunehmend Bestandteil von CO₂‑Bilanzen, Nachhaltigkeitsratings und Investitionsentscheidungen sind. Nachhaltiger Geschäftserfolg hängt daher immer stärker von nachhaltigen Produkten ab – und diese wiederum von leistungsfähigen, resilienten und nachhaltigkeitskonformen Lieferketten.
Als weltweit tätiges Unternehmen mit einer komplexen, global verzweigten Lieferantenstruktur sieht sich ElringKlinger mit steigenden Anforderungen in der Beschaffung konfrontiert. Externe Einflüsse wie geopolitische Spannungen, Handelsrestriktionen, Transportstörungen oder wirtschaftliche Sanktionen erhöhen zusätzlich den Druck, die Versorgungssicherheit dauerhaft abzusichern. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Regionalisierung der Beschaffungsaktivitäten an Bedeutung, da sie sowohl die Widerstandsfähigkeit der Lieferketten stärkt als auch Transportwege verkürzt.
Eine zentrale Herausforderung liegt in der systematischen Erhebung, Validierung und Bewertung nachhaltigkeitsrelevanter Daten entlang der Lieferkette. Insbesondere die Rückverfolgbarkeit bis zur Rohstoffgewinnung ist – vor allem bei Lieferbeziehungen außerhalb der EU – mit hohem Aufwand verbunden. Gleichzeitig verlangen gesetzliche Vorgaben, dass Risiken menschenrechtlicher, sozialer oder umweltbezogener Art identifiziert, bewertet und durch geeignete Maßnahmen minimiert werden. ElringKlinger hat hierfür neue Prozesse und IT‑gestützte Systeme implementiert, um eine differenzierte Risikobewertung von Lieferanten und Produkten zu ermöglichen.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der zunehmenden Bedeutung von CO₂‑Kennzahlen auf Produktebene. Neben den direkten Emissionen rückt der sogenannte Product Carbon Footprint (PCF) in den Vordergrund, der sämtliche Treibhausgasemissionen über den gesamten Lebenszyklus eines Produkts abbildet. Automobilhersteller beziehen diese Informationen zunehmend in ihre Vergabeentscheidungen ein. Für ElringKlinger bedeutet dies, CO₂‑Daten auf Bauteilebene systematisch zu erfassen, für PCF‑Berechnungen bereitzustellen und gezielt zur Identifikation von Reduktionspotenzialen zu nutzen.
Zur strukturierten Umsetzung der Nachhaltigkeitsanforderungen wurde unter anderem ein Verhaltenskodex für Lieferanten eingeführt, der verbindlicher Bestandteil der Lieferantenverträge ist und ökologische sowie soziale Mindeststandards definiert. Ergänzend dazu kommt ein softwaregestütztes Nachhaltigkeits‑Risikomanagement zum Einsatz, das Lieferantenbewertungen, Audit-Ergebnisse und CO₂‑Informationen zusammenführt. Diese Kriterien fließen – neben Preis, Qualität und Liefertreue – in Beschaffungs- und Vergabeentscheidungen ein.
Auch wenn die steigenden regulatorischen und kundenseitigen Anforderungen mit erheblichem Mehraufwand verbunden sind, eröffnen sie langfristig neue Chancen: eine höhere Datentransparenz, ein besseres Verständnis der eigenen Lieferketten sowie die gezielte Vermeidung von Risiken. Nachhaltigkeit in der Lieferkette wird damit zu einem zentralen Erfolgsfaktor – als gemeinsame Aufgabe von Unternehmen und ihren Partnern entlang der gesamten Wertschöpfungskette.










